Podpeč
 
PodpeČ | Popecchio
 

Rund 50 Gebäude mit einer Handvoll Einwohnern bilden das höchstgelegene Dorf am Fuße der südlichsten Abbruchkante des Karstes. Dass sich hier, unter einer fast senkrechten Felswand, schon vor 1.000 Jahren Menschen angesiedelt haben, hat gute Gründe: die einzige ergiebige Trinkwasserquelle im Umkreis, das günstige Klima und das Bedürfnis nach Sicherheit. Schutz versprachen ein venezianischer Wachturm, der Teil einer Wehranlage gegen Österreich war, sowie eine befestigte Höhle, die Schutz gegen Türkeneinfälle bot. Dass genau diese »Vorteile« zur Verwüstung des Ortes durch die Habsburger im Jahr 1615 führten, ist die Kehrseite der Medaille.

Seit dem Wiederaufbau hat sich das Ortsbild kaum noch gewandelt. Wie eine schutzsuchende Schafherde drängen sich die auffällig niedrigen Häuser an den Steilhang, teils fast übereinander stehend, teils tief in den Berg gebaut. Das vorherrschende grobe und unverputzte Mauerwerk geht fast nahtlos in die Felswand über, die von einer abgeschrägten Röhre aus weißem Stein, der Turmruine, gekrönt wird. Aus Mangel an Hinterhöfen, Lagerplätzen und Wohnraum hat sich das Geschehen zum Teil auf die engen Gassen verlagert. Da und dort stehen Möbel an der Hauswand und ragen Gerätschaften in die Fahrbahn. Krumme Bäume wachsen direkt aus dem Asphalt und dienen als Handtuchhalter oder Trinkbecheraufhängung. Ein gestrandetes Boot, Blumentöpfe und ein Ölfass, das man zur Hundehütte umfunktioniert hat, zieren den Straßenrand. Mehr Auslauf hat ein bunter Hund, der nebst einem Garten den oberen Stock eines leerstehenden Hauses bewohnt. Weitere farbige Akzente setzen eine kupfersulfatgrüne Fassade, ein rosa Betonschuppen, der mit Alteisen beschwert ist, und himmelblaue Fensterflügel aus verbeultem Blech. Als grafische Elemente kommen ein Zaun aus Industrieabfällen sowie ein Betonsträßchen mit Fischgrätrillen hinzu. Letzteres fällt Richtung Kirche ab und taucht unter der Eisenbahntrasse durch, die das Dorf an der Südseite begrenzt und mit einer hübschen Bogenbrücke einen kleinen Graben überwindet.
Die sogenannte Koper-Bahn wurde erst 1967 fertiggestellt und verbindet Sloweniens größten Seehafen mit dem europäischen Schienennetz. Aufgrund des beträchtlichen Höhenunterschieds zwischen Karstplateau und Küste führt die Trasse in weitem Bogen ins Rizıana-Tal, wo sie östlich von -Hrastovlje in einem Tunnel verschwindet und erst im Berg die Wende Richtung Koper macht. Doch trotz des großen Umwegs ist das Steigungsverhältnis so ungünstig, dass beladene Güterzüge von mindestens zwei Lokomotiven gezogen werden müssen. Garnituren mit bis zu 30 Waggons rattern im Stundentakt vorbei und grüßen Podpeč aus der großen weiten Welt. Richtiges Fernweh will aber selbst bei den aufgescheuchten Hühnern nicht aufkommen.

Zanigrad | HOME